Kaethe Maerz

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20151021-1-393Es war das Material und der Schnitt, was mir zuerst ins Auge stach. Die Klamotten hatten einen tollen Fall, so fließend, so natürlich und dann diese Farben, das war was ganz besonderes.20151021-1-046

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Foto (c) Kaethe Maerz

Kaethe Maerz“ sagte Christiane, „… eine Designerin hier auf der Talstrasse“, führte sie aus. Ok, dachte ich, das würde ich mir gerne genauer ansehen. Eine junge Frau die mit 28 Jahren ihr eigens Label gründet, fand ich spannend. Außerdem sah Christiane in diesem Outfit einfach umwerfend aus, als wenn es speziell für sie gemacht worden wäre – authentisch eben.

Ich nahm Kontakt zu Katrin Gammisch auf, der Designerin hinter dem Label „Kaethe Maerz“. Sie war spontan angetan von meiner Idee. Nur der Zeitpunkt war gerade unpassend. Nachdem sie 3 Jahre stetes Wachstum verzeichnen konnte, stagnierten ihre Umsätze seit 2012, um dann in 2014 auch noch zu sinken.

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Sie konnte einfach nicht mithalten, mit den großen Konzernen, die immer wieder neue Marketingkampagnen starten und weiter investieren. Sie konnte nicht länger auftretende Engpässe überbrücken und schloss ihren Düsseldorfer Laden im Juli 2015. Da sie auch Mutter wurde passte es irgendwie das  Atelier in die heimische Wohnung nach Krefeld zu verlagern und genau dort habe ich sie getroffen.

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Das Herbstlaub und der Nebel erzeugten auf meiner Fahrt von Düsseldorf nach Krefeld eine besondere Stimmung, so, als wenn Gnome und Elfen unterwegs wären. Da wusste ich noch nicht, dass ich zu einem Fan von Klamotten im Fantasyfilm-Stil fuhr.

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Katrin trug ihren 11 Monate alten Sohn Hendrik in einem Tragetuch auf ihrem Rücken, als sie mir die Tür öffnete.
Da war sie nun, die Designerin hinter dem Label „Kaethe Maerz“. Und Hendrik, ihr Sohn, war ganz offensichtlich das ganze Glück dieser recht zarten, jungen Frau, den am liebsten hätte sie noch mindestens 2 weiter Kinder, erfahre ich und, dass Hendrik „Windelfrei“ ist. Ja, genau, das heißt, dieser 11 Monate alte Knirps wird abgehalten und trägt keine Pampers. Katrin erklärt mir ganz überzeugend, dass Babys ihren Müttern durchaus mitteilen, wenn sie mal „müssen“ und Hendrik schon die ganze Nacht „durchhält“. Als MontagsOma bin ich beeindruckt. Wir trinken Tee, Hendrik ist neugierig auf mich und zahnt.

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Der Schneidetisch steht im Wohnzimmer und der Plotter, für den Ausdruck ihrer Schnitte, im Kinderzimmer. Diverse Maschinen fügen sich in das Gesamtbild der bezaubernden Wohnung organisch ein, finde ich. Auch die restlichen Stoffballen, die nach Schließung ihres Atelier in Düsseldorf noch „übrig“ waren, werden hier gelagert.

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Wir sprechen über die Situation als Solounternehmerin und wie die Kreativität oder eine Idee zu uns kommt und, unweigerlich, auch darüber, dass es unmöglich scheint davon leben zu können. Ich kann sie besser verstehen, als sie ahnt. Es ist schon fast demütigend, wenn das, wo unsere Leidenschaft uns hinführt, nicht dazu geeignet scheint unser Leben zu finanzieren. Wie gut kenne ich solche Gedanken von mir selber.

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Katrin Gammisch hat Modedesign an der Privaten Modeschule Düsseldorf (PMD) studiert, Abschluss mit Gesamtnote 1,5 und erwarb später den Meisterbrief im Damen- und Herrenschneiderhandwerk. 2012 wurde sie zur Gründungsbotschafterin der Region Düsseldorf durch den NRW Wirtschaftsminister ernannt und 2013 mit dem German Lifestyle Award in der Kategorie Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

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Ich kann wirklich nicht verstehen, dass so individuelle und stilvolle Kliedung, die mit soviel Leidenschaft entworfen wird, die Designerin nicht reich – also Umsatzstark macht.
Ihr Design ist extravagant und detailverliebt. Bei ihren Farben lässt sie sich in der Natur inspirieren oder durch andere Kulturen. Ihr Anspruch ist, etwas Neues zu schaffen, etwas, was in keine Schublade passt und – wie sie selbst – viele Facetten von Weiblichkeit und Leben enthält.
Stoffe werden nach ihrer Vorstellungen eingefärbt und ihr Augenmerk gilt der Hochwertigkeit von Naturstoffen, die auch als solche zertifiziert sind. Sie will langlebige Lieblingsstücke für ihre Kundinnen kreieren, die keinem Trend unterworfen sind.

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Im Gespräch erfahre ich, dass Katrin  sich mit dem Thema Trachten beschäftigt. Trachten stehen für sie für Werte und Tradition, etwas, dass uns Halt geben soll und, aus ihrer Sicht, heute einfach unterbewertet wird.

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Wenn ich mir ihre Kollektionen so ansehe, dann sehe ich dass sie ein Gespür für einzigartige Farbnuancen und Kombination hat. Die einzelnen Stücke ihrer Kollektion können grundsätzlich untereinander kombiniert werden, auch kollektionsübergreifend. Bekleidung versteht die Modedesignerin im ursprünglichen Sinn als eine Symbiose von Schutz und individuellem Selbstausdruck.

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Das ist ihr wichtig: Bekleidung als Selbstausdruck.

Es war ihre Großmutter, eine ausgebildete Schneiderin, die ihr als 16jährige dabei half sich authentisch zu fühlen. Sie wollte Kleidungsstücke, die zu dem von ihr bevorzugten Mittelalter-Szene und Fantasyfilm-Stil, passen und mit der Hilfe der Großmutter entstanden diese.
Heute fragt sie sich, was gebraucht wird, was steht an, was sind ihre Bedürfnisse. Die Bedürfnisse ihrer Mutter inspirieren sie dann noch einen „drauf zu setzen“, wie sie sagt.

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Während sie versucht Hendrik zum Schlafen zu legen, sehe ich mich um und entdecke eine Patchworkdecke mit einer einzigartigen Randverzierung. Sie erzählt mir, sie hat diese Decke aus Stoffresten in der Schwangerschaft für ihren Sohn genäht. Die Decke ist ein Prachtstück.

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Dann zeigt sie mir einen Poncho den sie entworfen hat.

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Es ist ein Mutter-Kind Poncho –grandiose Idee. Es bedeutet Mütter, die sich ihre Kinder mit einer Trage oder einem Tuch umbinden, passen zusammen mit ihrem Kind in diesen Poncho hinein. Dabei ist es unwichtig ob das Kind auf dem Rücken oder vor der Brust getragen wird. Das Material ist Kaschmir und Wolle und nicht nur schön sondern auch als Regenschutz geeignet.

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Ich finde das Teil großartig. Die Farbe nennt sich Masala oder Bordeauxrot und sie hat noch genügend Stoff um 2 weitere solcher Ponchos zu produzieren.

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Zum Abschluss hat sie mir noch verraten wie sie auf „Kaethe Maerz“ gekommen ist. Es war eigentlich ganz einfach, denn ihr Vater hat sie als Kind gerne Käthchen genannt und März ist der Monat, in dem sie geboren wurde und er steht für sie für Neuanfang und Frühling.

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